FrauenArt

 

Alle sitzen konzentriert an ihren Tischen - es ist ruhig, nur die Nähmaschine rattert und die Häkel- und Stricknadeln klappern. Überall liegen Stoffreste, Scheren und bunte Borten neben den Arbeitsplätzen. 20 Frauen sind gerade dabei, Nikolausstiefel und Weihnachtsschmuck zu nähen. Sie nehmen an der Arbeitsgelegenheit "FrauenArt" teil.

Sechs Stunden pro Tag stellen die Frauen Decken, Stofftiere, Lätzchen, Schals, Taschen oder - wie gerade - Nikolausstiefel her. Adelheid D'Aprano, Schneidermeisterin und Fachanleiterin bei "FrauenArt", erklärt, wie die Stiche besonders gleichmäßig  oder die Nähte am Stiefel möglichst unsichtbar werden. Die Nikolausstiefel sollen beim Weihnachtsmarkt ein Renner werden; der Erlös kommt einem sozialen Verein zu Gute.

Aber auch Kindergärten und andere Einrichtungen haben schon kleine Kunstwerke bei "FrauenArt" bestellt: "Die kleinen Kraken aus Wolle kamen bei den Kindern toll an", meint D'Aprano. Trotzdem entstehen die Produkte nicht willkürlich. Für jedes kalkulieren die Frauen vorher Kosten und Arbeitsaufwand und erstellen eine Produktkarte. Betriebswirtschaftliche Überlegungen sind Teil der Arbeitsgelegenheit. Sie sollen die Nähe zum ersten Arbeitsmarkt vergrößern.

Neben der handwerklichen Tätigkeit bietet "FrauenArt" auch Kurse zur Weiterbildung an: Neben EDV-Unterricht, einer Schuldnerberatung und Bewegungstraining soll demnächst ein Kurs zur Haushaltsassistenz eingeführt werden. Den langzeitarbeitslosen Frauen bringt das vor allem wieder eine stabile Tagesstruktur. "Sie kommen gerne hierher. Unentschuldigte Fehlzeiten kenne ich gar nicht. Alle wollen voll da sein", sagt D'Aprano. Vor allem die Wertschätzung ihrer Arbeit sei wichtig: "Sie leisten etwas Sinnvolles und  können anderen noch etwas Gutes tun", so D'Aprano weiter.

Obwohl alle Teilnehmerinnen über 50 Jahre alt und arbeitsmarktfern sind, konnten innerhalb eines Jahres vier in Arbeit vermittelt werden. "Es geht auch um den Erhalt von Fähigkeiten. Wir merken, dass  vielen Frauen die feinmotorische Arbeit schwerfällt, wenn sie hier anfangen. Durch den täglichen Umgang mit den Stricknadeln und feinem Garn verbessert sich das unheimlich schnell", erklärt die Fachanleiterin. Und manch eine Teilnehmerin stellt fest, dass sie mehr kann, als gedacht...

 

Sowohl "MännerArt" als auch "FrauenArt" sind Modellprojekte, die bundesweit Schule machen sollen. Der Träger der Arbeitsgelegenheit, der Verein Zukunft Plus, stellt die Göttinger Projekte derzeit in ganz Deutschland bei den Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) vor.

 



Träger der Arbeitsgelegenheit:

    Zukunft Plus e.V.